Nähmannsgarn - hinter den Kulissen

Beim Nähen finde ich oft Zeit, um in Ruhe nachzudenken. Ich grüble noch gern, aber die Ruhe habe ich oft nur beim Nähen. Und da fand ich, dass ich euch mal einen Einblick in mein Nähreich geben könnte. Rein verbal und eher für die unter euch, die selbst nähen.

 

Die Sommerferien stehen bei uns vor der Tür und nach den Ferien gibt es Nähmannsgarn bereits 2 Jahre. Vor 2 Jahren habe ich meinen Job an den Nagel gehängt, um mehr Zeit für die Kinder zu haben und habe aus der Freude am Nähen mein kleines Label gegründet.

Erst seit dieser Zeit bin ich auch bei Facebook und neuerdings auch bei Instagram. Ich bin eher ein stiller Leser und ob ich etwas kommentiere und mit Likes dekoriere, hängt stark von meiner Tagesform und Zeit ab.

Aber ich lese viel und daher sind mir die gängigen Fragen bekannt. Viele Blogger in der Nähwelt haben auch schon ihre Lieblingsschnitte, Lieblingsstoffe, Lieblingsnähwerkzeuge und Lieblingsnähmaschinen genannt und ich dachte, ich erzähle heute einmal, was ich scheinbar anders mache als viele andere. Und obwohl ich keine gelernte Schneiderin bin, funktioniert das ausgezeichnet. Vielleicht interessiert es einfach die eine oder andere Nähbegeisterte unter euch.

Ich habe 3 Nähmaschinen: eine 20-jährige Bernina, die ich als Occasion gekauft habe, eine Overlock von Babylock und eine Coverstich von Babylock. Alle drei sind rege in Gebrauch und funktionieren einwandfrei.

 

Bei der Coverstich schwärmen alle (?) vom Bandeinfasser. Ich habe zwei - einen mittleren ohne Führungsrechen und einen breiten mit Führungsrechen - aber begeistert bin ich nicht. Ich zögere jedes Mal bevor ich ihn montiere. Es funktioniert schon, zumindest wenn ich eher festen Jersey zum Einfassen nehme, aber es hat für mich zu viele Nachteile. Der Aufwand für die Montage und den Test vorab, das Zusammennähen der 2 Enden gefällt mir nicht und meiner Maschine noch weniger und dann ist es bei mir immer anfällig für Falten oder andere Fehler. Nach über einem Jahr mit dem Bandeinfasser sind wir immer noch keine besten Freunde, sondern eher Kollegen. Manchmal ist's okay, aber euphorisch bin ich nicht.

Am schönsten - und zwar beim Nähen als auch hinsichtlich Tragekomfort - finde ich es nach wie vor, Bündchenstreifen anzunähen. Inzwischen lieber schmal, eher 3.5cm als 4cm breit. Ich steppe diese auch nicht zwingend ab, wie es immer empfohlen wird. Nur amerikanische und U-Boot-Ausschnitte steppe ich in jedem Fall ab, bei Rundhals oder V-Ausschnitt selten bis gar nicht. Ich bin nämlich der Meinung, dass die Länge vom Ausschnittstreifen wichtiger ist als das Absteppen. Sprich, ist der Streifen zu lang, steht der Ausschnitt ab - mit und ohne Absteppen.

 

Die Länge der Streifen für die Hals- oder Armausschnitte sind schon der nächste Punkte. Generell lautet die Empfehlung für jeden Nähanfänger, der zum Beispiel auf Facebook fragt, dass man 70% der Ausschnittlänge zuschneidet, wenn man Bündchen verwendet oder 80% bei Jersey.

Das mache ich nicht so! Ich nehme 80% bei Bündchen und wenn ich im Ausnahmefall wirklich Jersey verwende, mache ich diesen nur weniger kürzer als den Ausschnitt, zum Beispiel 2cm weniger.

Natürlich habe ich es mit der üblichen Empfehlung probiert, aber das war viel zu knapp.

Und am liebsten habe ich konkrete Angaben im Schnittmuster, wie lang die Streifen sein sollte. Ist mein Bündchen fest oder aber sehr dehnbar, dann passe ich das allenfalls noch an.

 

Das führt mich zur Debatte Nahtzugabe. Die meisten mögen Schnittmuster ohne Nahtzugabe. Ich habe diverse Artikel mit Erklärungen darüber gelesen und es ist mir trotzdem ein Rätsel!

Ich habe mit den Videos und Schnitten von pattydoo angefangen zu nähen und dort sind die Nahtzugaben enthalten. Ich finde das immer noch viel besser, obwohl ich kein Anfänge mehr bin!

Wieviel Nahtzugabe im Schnitt enthalten ist, ist angegeben - sollte mir das nicht passen, kann ich es ändern. Aber sowieso sind es 0.7 oder 0.8mm bei Schnitten für elastische Stoffe und meine Overlock macht das prima. Bei Webware bin ich noch flexibler - 0.7mm oder 1cm.. egal, ich weiss ja wie breit mein Nähfuss ist und kann auch mit 0.8mm nöhen. Andere Werte sind mir noch nie untergekommen.

Als Anfänger kann ich das vielleicht nicht so genau abschätzen, aber damals konnte ich auch nicht so genau die NZG einzeichnen. ;-)

 

Nun sind praktisch alle Schnitte, ausser die von pattydoo (danke, liebe Ina, dass du dich nicht beirren lässt!), ohne NZG. Die "normale" Näherin nimmt offensichtlich das Schnittmuster und fügt jedes Mal beim Zuschneiden die NZG hinzu. Das finde ich nicht effizient und wäre froh, wenn mir jemand die Mehrarbeit erklärt. (Das meine ich übrigens ernst.)

Ich zeichne die NZG direkt beim Abpausen auf und schneide es mit NZG aus. Mein Saummass ist mir dabei eine grosse Hilfe und es wird ziemlich genau. Macht ihr das auch so genau, wenn ihr die NZG beim Zuschneiden hinzufügt? Jedes Mal? Interessiert mich wirklich...!

 

Kommen wir zum Thema Stecknadeln. Ich staune, dass überall noch von Stecknadeln die Rede ist! Ich habe gleich als Anfängerin die sehr praktischen Wonderclips entdeckt und nähe nur mit diesen. Das geht viel schneller, piekst nicht und gibt keine Löcher im Stoff.

Und wenn ich mal eine Applikation oder eher noch eine Tasche aufsetze, dann klebe ich diese mit Stylfix fest. Probiert es mal aus!

 

Und last but noch least, bin ich ja auch noch Probenäherin. Das Nähen ist nur ein Teil der Aufgabe - das Fotografieren ist mindestens genauso wichtig.

Tragefotos (also nicht auf einer Kleiderpuppe, sondern am lebenden Modell) sind ein Must und Fotos in der freien Natur sehr beliebt. Bei Stoff- und Schnittdesigner und somit auch bei Näherinnen.

Ich habe es ebenfalls mehrfach probiert. Bei meinem letzten Probenähen vor 2 Wochen, spielte sogar das Wetter mit. Also habe ich draussen auf einer Wiese Fotos gemacht. Ich war sehr unzufrieden mit den Fotos, es war einfach alles nur grün! Erstaunlicherweise ging das nicht nur mir so, sondern auch den anderen im Team. Also habe ich alles noch einmal fotografiert, diesmal in der Fotoecke und die Fotos sind toll geworden! Das war auch der Tenor im Team, obwohl sie sonst lieber Outdoorfotos mögen.

Ich weiss noch nicht genau warum, aber es scheint so, dass ich nur gute "Studioaufnahmen" machen kann und einfach nicht der Typ für draussen bin. Zum Wandern und für Landschaftsbilder schon, aber nicht für Nähwerke.

 

Aber so lange ich mich wohl fühle und die Fotos so besser ankommen, ist ja alles richtig. Und das ist nicht nur bei den Fotos so! :-)

Es ist eben MY WAY!

 

Herzliche Grüsse an alle Kreativen und alle, die es werden wollen - macht was es so, wie ihr euch wohlfühlt!

Frau Nähmannsgarn

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